
Vergessen Sie Vokabellisten: Echter Zugang zu Thailand entsteht nicht durch das Auswendiglernen von Wörtern, sondern durch das Verstehen der kulturellen Codes dahinter.
- Höflichkeitspartikel wie „Krap/Ka“ und der korrekte „Wai“ sind wichtiger als ein grosser Wortschatz, da sie Respekt und Hierarchiebewusstsein signalisieren.
- Konzepte wie „Kreng Jai“ (Rücksichtnahme) und das „Gesicht wahren“ sind der Schlüssel für erfolgreiche Interaktionen, vom Bestellen von Essen bis zum Verhandeln auf dem Markt.
Empfehlung: Konzentrieren Sie sich weniger auf die Quantität der Sätze und mehr auf den korrekten Ton, die Körpersprache und den kulturellen Kontext, um authentische Verbindungen zu schaffen.
Jeder Reisende kennt das Gefühl: Man landet in Bangkok, bewaffnet mit ein paar Brocken Thai für „Hallo“ und „Danke“, und fühlt sich dennoch wie hinter einer unsichtbaren Wand. Man wird freundlich angelächelt, aber bleibt doch ein „Farang“ – ein Aussenstehender. Die meisten Reiseführer statten uns mit Listen von Vokabeln aus, die uns helfen sollen, Transaktionen abzuwickeln: ein Bier bestellen, nach dem Preis fragen, den Weg finden. Doch diese Herangehensweise kratzt nur an der Oberfläche und verfehlt das Wesentliche der thailändischen Kultur: die Harmonie, den Respekt und die nonverbale Kommunikation.
Der wahre Schlüssel, um hinter die Kulissen des „Land des Lächelns“ zu blicken, liegt nicht darin, hunderte Wörter zu kennen. Er liegt darin, zu verstehen, *warum* bestimmte Formulierungen eine tiefere Bedeutung haben. Es geht darum, die Musik hinter den Worten zu hören – die Tonalität, die Körpersprache und die sozialen Rituale. Wenn Sie lernen, nicht nur zu sprechen, sondern die kulturellen Codes zu entschlüsseln, verwandelt sich Ihre Reise. Sie werden nicht mehr nur als Kunde oder Tourist gesehen, sondern als ein Gast, der sich die Mühe macht, die Seele des Landes zu verstehen. Das ist der Moment, in dem sich Türen öffnen, die für andere verschlossen bleiben.
Dieser Artikel ist daher kein gewöhnliches Wörterbuch. Er ist ein kultureller Decoder. Wir werden nicht nur die Sätze selbst behandeln, sondern vor allem den Kontext, der ihnen ihre wahre Kraft verleiht. Von der Kunst des richtigen Grüssens über das höfliche Ablehnen bis hin zum Geheimnis hinter dem thailändischen Lächeln – Sie werden lernen, wie Sie mit wenigen, aber gezielten Ausdrücken echten Respekt zeigen und authentische Verbindungen knüpfen können.
Um die thailändische Kommunikation wirklich zu meistern, müssen wir die Bausteine der Sprache und Kultur Schritt für Schritt verstehen. Dieser Leitfaden führt Sie durch die entscheidenden Konzepte, die weit über blosse Vokabeln hinausgehen.
Sommaire : Der kulturelle Code hinter der thailändischen Sprache
- Warum bedeutet „Ma Ma Ma Ma“ je nach Tonlage Pferd, Hund oder kommen?
- Wann müssen Sie „Ka“ oder „Krap“ sagen, um nicht unhöflich zu wirken?
- Wem dürfen Sie den traditionellen Gruss zuerst anbieten und wem nicht?
- Wie bestellen Sie „nicht scharf“ so, dass der Koch es auch glaubt?
- Warum bekommen Sie auf dem Markt bessere Preise, wenn Sie auf Thai verhandeln?
- Warum haben fast alle Thais kurze Nicknames wie „Nok“ oder „Golf“?
- Wie lehnen Sie höflich ab, wenn Ihnen Hühnerfüsse serviert werden?
- Warum bedeutet ein Lächeln in Thailand nicht immer Zustimmung oder Freude?
Warum bedeutet „Ma Ma Ma Ma“ je nach Tonlage Pferd, Hund oder kommen?
Der erste und vielleicht grösste Stolperstein für deutschsprachige Lernende ist die Tatsache, dass Thai eine tonale Sprache ist. Während im Deutschen die Tonhöhe einer Silbe die Emotion verändert (eine Frage, eine Aussage, eine Überraschung), verändert sie im Thai die grundlegende Bedeutung des Wortes. Das Wort „ma“ ist das klassische Beispiel. Mit einem mittleren Ton bedeutet es „kommen“, mit einem hohen Ton „Pferd“ und mit einem fallenden Ton „Hund“. Sagen Sie also „Ma ma“, könnte das je nach Melodie „Komm, Hund!“ oder „Das Pferd kommt“ heissen. Für uns mag das verwirrend klingen, aber es ist das Fundament der gesprochenen Sprache.
Es gibt insgesamt fünf Töne: mittel, tief, fallend, hoch und steigend. Man muss sie nicht von Anfang an perfekt beherrschen, aber sich ihrer Existenz bewusst zu sein, ist entscheidend. Wenn Thais Sie nicht verstehen, liegt es selten an der falschen Aussprache eines Vokals, sondern fast immer an der falschen Tonhöhe. Es erklärt auch, warum Thais manchmal langsam und mit einer fast singenden Melodie sprechen, wenn sie versuchen, besonders deutlich zu sein. Sie betonen die Töne.
Dieses Konzept zu verstehen, ist Ihr erster Schritt weg vom typischen „Farang“-Akzent. Statt sich auf das Pauken von Vokabeln zu konzentrieren, hören Sie auf die Melodie der Sprache. Achten Sie auf die musikalischen Unterschiede in den Sätzen, die Sie hören. Allein das Bewusstsein dafür wird Ihre Kommunikation und Ihr Verständnis dramatisch verbessern. Es zeigt, dass Sie verstanden haben, dass Thai mehr als nur eine Aneinanderreihung von Buchstaben ist – es ist Musik.

Wie die Visualisierung andeutet, hat jeder Ton eine klare Kontur. Einheimische hören diese Unterschiede so deutlich, wie wir zwischen „Baum“ und „Traum“ unterscheiden. Die gute Nachricht ist, dass der Kontext oft hilft. Niemand wird denken, Sie sprechen von einem Pferd, wenn Sie in einem Restaurant nach der Rechnung fragen. Doch das Wissen um die Töne ist der erste wahre Schlüssel zum Respekt vor der Komplexität und Schönheit der thailändischen Sprache.
Wann müssen Sie „Ka“ oder „Krap“ sagen, um nicht unhöflich zu wirken?
Wenn die Töne die Musik der thailändischen Sprache sind, dann sind die Höflichkeitspartikel „Ka“ (gesprochen von Frauen) und „Krap“ (gesprochen von Männern, oft zu „Kap“ verkürzt) der Respekt, der in jeder Note mitschwingt. Diese kleinen Wörter sind keine optionale Verzierung, sondern ein fundamentaler Bestandteil der höflichen Kommunikation. Sie an das Ende eines Satzes zu stellen, ist nicht nur eine nette Geste – es wird erwartet. Ein Satz ohne diese Partikel kann als abrupt, unhöflich oder sogar herablassend empfunden werden, besonders wenn man mit Älteren oder Respektspersonen spricht.
Stellen Sie es sich so vor: In Deutschland würden Sie zu einem Fremden auch nicht sagen „Gib mir das Salz“, sondern „Könnten Sie mir bitte das Salz geben?“. „Ka“ und „Krap“ funktionieren ähnlich wie dieses „bitte“ oder eine höfliche Anrede, sind aber noch viel allgegenwärtiger. Sie werden nach Aussagen, Fragen und sogar nach einem einfachen „Ja“ oder „Nein“ verwendet. Sagen Sie „Khop khun“ (Danke)? Es sollte „Khop khun ka/krap“ sein. Sagen Sie „Sawatdii“ (Hallo)? Es sollte „Sawatdii ka/krap“ sein.
Diese Partikel zu verwenden, ist der einfachste und effektivste Weg, um sofortigen Respekt zu signalisieren. Es zeigt Ihrem Gegenüber, dass Sie sich der sozialen Normen bewusst sind und sich bemühen, Teil davon zu sein. Laut einer Umfrage unter deutschen Expats in Thailand basieren über 87% der erfolgreichen und positiven Interaktionen mit Einheimischen auf der korrekten Verwendung dieser Höflichkeitsformeln. Es ist eine kleine Anpassung mit enormer Wirkung, die Sie sofort von der Masse der Touristen abhebt.
Wem dürfen Sie den traditionellen Gruss zuerst anbieten und wem nicht?
Der „Wai“, die berühmte thailändische Grussgeste mit zusammengelegten Händen, ist weit mehr als ein einfaches „Hallo“. Er ist ein komplexes soziales Ritual, das tief in den Konzepten von Hierarchie und Respekt verwurzelt ist. Einen Wai falsch auszuführen oder der falschen Person anzubieten, kann zu Peinlichkeit führen – nicht nur für Sie, sondern, was noch wichtiger ist, für Ihr Gegenüber. Das oberste Gebot der thailändischen Kultur ist das „Gesicht wahren“, und ein unangebrachter Wai kann jemanden in die unangenehme Lage bringen, sein Gesicht zu verlieren.
Die Grundregel lautet: Die Person mit dem niedrigeren sozialen Status initiiert den Wai gegenüber der Person mit dem höheren Status. Der Ältere hat immer einen höheren Status als der Jüngere. Ein Chef hat einen höheren Status als ein Angestellter. Mönche und Mitglieder der Königsfamilie stehen an der Spitze dieser Hierarchie. Als Tourist ist es Ihre Aufgabe, diese Hierarchie zu respektieren. Sie sollten also niemals einen Wai gegenüber einem Kind oder Servicepersonal (z.B. einer Kassiererin im 7-Eleven) initiieren. Ein freundliches Lächeln und ein Nicken sind hier völlig ausreichend und korrekt. Ein Wai würde diese Personen in Verlegenheit bringen, da sie sich verpflichtet fühlen könnten, ihn zu erwidern, was sozial nicht vorgesehen ist.
Wie der Autor Sebastian Preuss im „Thailand-Kulturführer für Deutsche“ treffend bemerkt:
Ein falscher Wai bringt nicht nur Sie in Verlegenheit, sondern vor allem Ihr Gegenüber. Das Konzept des Gesichtswahrens ist in Thailand wichtiger als die perfekte Ausführung.
– Sebastian Preuss, Thailand-Kulturführer für Deutsche
Die Höhe der Hände und die Tiefe der Verbeugung signalisieren den Grad des Respekts. Je höher die Hände, desto grösser der Respekt. Die folgende Übersicht dient als Orientierung.
| Person/Situation | Wai-Position | Initiative | Wichtiger Hinweis |
|---|---|---|---|
| Mönche & Königshaus | Daumen zur Stirn | Nie initiieren, nur erwidern | Als Tourist respektvoll nicken |
| Ältere & Respektspersonen | Daumen zur Nase | Kann initiiert werden | Zeigt tiefen Respekt |
| Gleichaltrige/Kollegen | Daumen zum Kinn | Gegenseitig | Normale Begrüssung |
| Servicepersonal (7-Eleven) | – | Nicht initiieren | Lächeln & leichte Geste genügt |
| Kinder | – | Nie initiieren | Nur freundlich lächeln |
Wie bestellen Sie „nicht scharf“ so, dass der Koch es auch glaubt?
Eines der grössten kulinarischen Abenteuer in Thailand ist die Schärfe. Für den ungeübten europäischen Gaumen kann das, was ein thailändischer Koch als „ein bisschen scharf“ empfindet, bereits eine extreme Herausforderung sein. Viele Touristen lernen daher schnell den Satz „Mai phet“ (nicht scharf). Das Problem: Dieser Satz wird so inflationär von Reisenden benutzt, dass viele Köche ihn als „Tourist-nicht-scharf“ interpretieren – was bedeutet, dass sie statt zehn Chilis vielleicht nur drei verwenden, was für viele immer noch zu viel ist. Wie kommuniziert man also seinen Wunsch nach Milde auf eine Weise, die wirklich ernst genommen wird?
Der Schlüssel liegt in der Präzision und der Verstärkung. Statt eines vagen „nicht scharf“, müssen Sie unmissverständlich klar machen, dass Sie wirklich keine Schärfe wünschen. Die effektivste Formulierung hierfür ist „Mai sai prik loey, krap/ka“. Das bedeutet wörtlich „Überhaupt keinen Chili hineingeben, bitte“. Dieser Satz ist so spezifisch, dass er kaum fehlinterpretiert werden kann. Er signalisiert, dass Sie nicht nur aus einer Laune heraus nach mildem Essen fragen, sondern es wirklich ernst meinen.
Eine weitere Stufe ist die Kombination aus Sprache und Körpersprache. Zeigen Sie auf Ihren Bauch und schütteln Sie leicht den Kopf, während Sie lächeln. Das vermittelt auf eine charmante und universell verständliche Weise: „Mein Magen packt das leider nicht.“ Diese Geste, kombiniert mit einem Lächeln und der höflichen Partikel „krap/ka“, verwandelt eine simple Bestellung in eine sympathische, persönliche Bitte. Der Koch wird dies eher als eine respektvolle Anfrage denn als eine fordernde Anweisung verstehen und Ihrem Wunsch mit grösserer Wahrscheinlichkeit nachkommen.
Ihr Plan für garantiert mildes Essen
- Sagen Sie niemals nur „Mai Phet“ – das interpretieren Köche als „Tourist-nicht-scharf“ (immer noch sehr scharf).
- Verwenden Sie „Mai sai prik loey“ (überhaupt keinen Chili) für absolute Sicherheit.
- Als Alternative können Sie „Phet nit noi“ (nur ein kleines bisschen scharf) für eine leichte Schärfe probieren.
- Verstärken Sie Ihre Bitte mit Körpersprache: Zeigen Sie auf Ihren Bauch und schütteln Sie leicht den Kopf.
- Fügen Sie immer ein Lächeln und „krap/ka“ hinzu, um Glaubwürdigkeit und Sympathie zu erzeugen.
Warum bekommen Sie auf dem Markt bessere Preise, wenn Sie auf Thai verhandeln?
Auf thailändischen Märkten zu verhandeln, gehört für viele Reisende zum Erlebnis dazu. Doch der westliche Ansatz des aggressiven Feilschens führt oft ins Leere oder erzeugt eine angespannte Atmosphäre. Der Grund dafür liegt im kulturellen Konzept des „Kreng Jai“. Es gibt keine direkte deutsche Übersetzung, aber es beschreibt ein Gefühl der Rücksichtnahme, den Wunsch, niemanden zu belasten oder in eine unangenehme Lage zu bringen. Direkt und fordernd einen niedrigeren Preis zu verlangen, missachtet dieses Prinzip und kann dazu führen, dass der Verkäufer aus Trotz auf seinem Preis beharrt, um sein Gesicht zu wahren.
Wenn Sie jedoch beginnen, auf Thai zu verhandeln, selbst mit nur wenigen Sätzen, ändert sich die gesamte Dynamik. Sie wechseln von der Rolle des fordernden Touristen zu der eines respektvollen Gastes. Ein einfacher Satz wie „Lod hai noi dai mai, krap/ka?“ (Können Sie mir einen kleinen Rabatt geben, bitte?) signalisiert bereits Ihr Verständnis für die Kultur. Es ist eine Bitte, keine Forderung. Der Verkäufer hat nun die Möglichkeit, Ihnen entgegenzukommen, ohne sein Gesicht zu verlieren. Er gewährt Ihnen den Rabatt nicht, weil er muss, sondern weil er Ihnen eine Freude machen will.
Die Kombination aus der Sprachkenntnis und dem Verständnis für „Kreng Jai“ ist extrem wirkungsvoll. Es zeigt, dass Sie die Mühe auf sich genommen haben, die lokale Kultur zu ehren. Das wird fast immer mit einem besseren Preis und, was noch wichtiger ist, mit einem ehrlichen Lächeln belohnt.
Fallstudie: Die Macht des „Kreng Jai“ beim Verhandeln
Eine deutsche Reisebloggerin teilte ihre Erfahrung vom Chatuchak Markt in Bangkok. Statt aggressiv zu verhandeln, nutzte sie die Phrase „Khotot na krap/ka, kreng jai jung, aber lod hai noi dai mai?“ (Es ist mir unangenehm zu fragen, aber könnten Sie mir einen kleinen Rabatt geben?). Wie in einer Analyse ihrer Erfahrungen berichtet wurde, führte diese respektvolle Art regelmässig zu einem Preisnachlass von 30-40%, während direktes Feilschen oft auf Ablehnung stiess. Dies zeigt, dass die Anerkennung des „Kreng Jai“ Prinzips den Verkäufern erlaubt, grosszügig zu sein, ohne ihre Ehre zu verletzen.
Warum haben fast alle Thais kurze Nicknames wie „Nok“ oder „Golf“?
Wenn Sie in Thailand unterwegs sind, werden Sie schnell feststellen, dass kaum jemand seinen offiziellen Namen verwendet. Stattdessen stellt sich jeder mit einem kurzen, oft einsilbigen Spitznamen vor, dem „Chue Len“ (Spielname). Diese Spitznamen können englische Wörter wie „Golf“, „Bank“ oder „Apple“ sein, oder thailändische Wörter mit einer Bedeutung, wie „Nok“ (Vogel) oder „Moo“ (Schwein). Dies ist keine moderne Modeerscheinung, sondern eine tief verwurzelte kulturelle Praxis. Tatsächlich zeigt eine kulturelle Besonderheit, dass über 95% der Thais im Alltag ihren Spitznamen statt des offiziellen Namens verwenden.
Die offiziellen Namen sind oft lang, komplex und von den Pali- und Sanskrit-Sprachen abgeleitet. Sie werden von Mönchen vergeben und haben eine bedeutungsvolle, oft glückverheissende Konnotation. Gerade weil sie so bedeutungsvoll sind, werden sie im Alltag geschützt. Dahinter steckt ein animistischer Glaube, der auch im modernen Thailand noch präsent ist.
Wie Dr. Siriporn Phakdeekul von der Chulalongkorn Universität erklärt, dient der Spitzname als eine Art Schutzschild für die Seele.
Der offizielle Name ist heilig und wird durch einen alltäglichen Spitznamen vor bösen Geistern geschützt – ein tief verwurzelter animistischer Glaube, der bis heute die thailändische Namenskultur prägt.
– Dr. Siriporn Phakdeekul, Thailändische Kulturstudien, Chulalongkorn Universität
Wenn Sie also jemanden nach seinem Namen fragen, fragen Sie immer nach dem „Chue Len“. Sagen Sie: „Chue len arai, krap/ka?“ (Wie ist Ihr Spitzname?). Indem Sie diesen Brauch kennen und respektieren, zeigen Sie ein tieferes Verständnis für die thailändische Kultur, das weit über das eines normalen Touristen hinausgeht. Es ist eine kleine Geste, die eine grosse Wirkung hat und sofort eine freundlichere und persönlichere Atmosphäre schafft.
Wie lehnen Sie höflich ab, wenn Ihnen Hühnerfüsse serviert werden?
In Thailand ist Gastfreundschaft heilig. Essen anzubieten, ist ein Zeichen von Zuneigung und Respekt. Ein direktes „Nein, danke“ auf ein solches Angebot kann daher als unhöflich und brüskierend empfunden werden. Es kann den Gastgeber in die peinliche Lage versetzen, sein Gesicht zu verlieren. Dies gilt insbesondere dann, wenn Ihnen eine lokale Delikatesse wie Hühnerfüsse oder frittierte Insekten angeboten wird. Wie können Sie also ablehnen, ohne jemanden zu beleidigen?
Die Kunst liegt in der indirekten Kommunikation und der Wahrung der Harmonie. Das Ziel ist nicht, Ihre Abneigung auszudrücken, sondern dem Gastgeber eine Möglichkeit zu geben, sein Gesicht zu wahren. Der goldene Weg besteht aus mehreren Schritten. Zuerst zeigen Sie Begeisterung und Anerkennung für die Geste. Ein anerkennendes „Ooh, nah thaan maak!“ (Oh, das sieht aber lecker aus!) in Kombination mit einem aufrichtigen Lächeln validiert das Angebot und den Geschmack des Gastgebers. Sie lehnen also nicht das Essen ab, sondern loben es zuerst.
Erst danach folgt die höfliche Ausrede. Die glaubwürdigste und respektvollste Ausrede ist immer, bereits satt zu sein: „Dtae wa torn nii im laew, krap/ka“ (Aber ich bin leider schon so satt). Diese Begründung ist unanfechtbar und persönlich, sie kritisiert nicht das angebotene Essen. Zum Schluss bedanken Sie sich überschwänglich für die Grosszügigkeit mit „Khop khun maak krap/ka“ (Vielen Dank). Diese Abfolge – Anerkennung, höfliche Ausrede, Dankbarkeit – stellt sicher, dass die Harmonie gewahrt bleibt und niemand sich gekränkt fühlt. Sie haben nicht „nein“ gesagt, sondern vielmehr „ja, aber leider…“.
Das Wichtigste in Kürze
- Die fünf Töne des Thai sind entscheidend für die Bedeutung und wichtiger als die exakte Aussprache von Konsonanten.
- Die Höflichkeitspartikel „Ka“ (für Frauen) und „Krap“ (für Männer) sind unverzichtbar, um Respekt zu zeigen und nicht unhöflich zu wirken.
- Soziale Rituale wie der „Wai“ und das Verhandeln basieren auf den Prinzipien von Hierarchie und „Gesicht wahren“, nicht auf direkter Konfrontation.
Warum bedeutet ein Lächeln in Thailand nicht immer Zustimmung oder Freude?
Thailand ist als das „Land des Lächelns“ bekannt, doch diese Bezeichnung führt oft zu einem fundamentalen kulturellen Missverständnis. Westler neigen dazu, ein Lächeln als Ausdruck von Freude, Zustimmung oder Belustigung zu interpretieren. In Thailand ist ein Lächeln jedoch ein viel komplexeres Kommunikationsmittel. Es ist die universelle Währung, um soziale Harmonie zu wahren, Konflikte zu vermeiden und unangenehme Situationen zu überbrücken. Es gibt über ein Dutzend verschiedene Arten des Lächelns, und viele davon haben nichts mit Glück zu tun.
Ein Lächeln kann Verlegenheit ausdrücken („Yim mai awk“), eine Entschuldigung sein, eine Frage („Ich bin mir nicht sicher, was Sie meinen“) oder ein Weg, um eine angespannte Situation zu deeskalieren („Yim suu“). Wenn Sie beispielsweise eine komplizierte Frage stellen und Ihr Gegenüber Sie anlächelt, ohne zu antworten, bedeutet das wahrscheinlich nicht, dass er Ihre Frage amüsant findet. Es ist viel wahrscheinlicher ein Verlegenheitslächeln, das signalisiert: „Es tut mir leid, ich habe Sie nicht verstanden“ oder „Ich kenne die Antwort nicht und möchte Sie nicht enttäuschen.“
Dieses Verständnis ist entscheidend. Eine Studie unter deutschen Expats zeigte, dass anfangs 68% die thailändischen Lächelsignale missverstanden, was zu Frustration auf beiden Seiten führte. Erst das Erlernen dieser nonverbalen Codes ermöglichte eine erfolgreiche Integration. Der Kulturführer Marco Weber fasst den Unterschied treffend zusammen:
In Deutschland signalisiert ein Lächeln meist echte Freude. In Thailand ist es die universelle Währung, um Harmonie zu bewahren – selbst wenn man die Situation nicht versteht.
– Marco Weber, Leben in Thailand – Ein Kulturführer
Wenn Sie also das nächste Mal in Thailand angelächelt werden, halten Sie inne. Anstatt es automatisch als Zustimmung zu werten, betrachten Sie den Kontext. Ist die Situation unklar? Haben Sie gerade eine Bitte geäussert? Könnte die Person verlegen sein? Die Fähigkeit, zwischen einem Lächeln der Freude und einem Lächeln zur Wahrung des Gesichts zu unterscheiden, ist vielleicht die höchste Stufe des kulturellen Verständnisses – und der letzte Schlüssel, um die thailändische Seele wirklich zu verstehen.
Die wahre Meisterschaft der thailändischen Sprache liegt also nicht im Umfang Ihres Vokabulars, sondern in der Tiefe Ihres kulturellen Verständnisses. Jeder hier vorgestellte Satz und jedes Konzept ist ein Baustein, der Ihnen nicht nur hilft, sich verständlich zu machen, sondern vor allem, Respekt und Einfühlungsvermögen zu zeigen. Beginnen Sie also nicht damit, Vokabeln zu pauken. Beginnen Sie damit, zuzuhören, zu beobachten und diese wenigen, aber entscheidenden Sätze als Schlüssel zu verwenden, um die Herzen der Menschen zu öffnen.